Auf dem Lindgens-Areal am Rhein wird gebaut, woran wir zwölf Jahre gearbeitet haben. Ein Quartier, das den Mülheimer Süden in den kommenden Jahren verwandeln wird. Von Erika Werres.
Manche Orte tragen ihre Zukunft lange in sich, bevor man sie sehen kann. Das Lindgens-Areal am rechten Rheinufer ist ein solcher Ort. Über Jahre war es ein Versprechen auf dem Papier, ein Stück Stadt im Wartestand. In diesem Frühjahr hat sich das gewendet. Die Bagger sind da, die ersten Fundamente entstehen, und was lange eine Idee war, wird nun Wirklichkeit.
Zwölf Jahre haben wir bei der wvm Gruppe dieses Areal durch Planung und Genehmigung begleitet. Das ist eine lange Zeit, und sie war es wert. Wer ein Gelände so lange kennt, kennt seine Geschichte, seinen Boden, sein Licht am Morgen über dem Fluss. Seit dem 19. November 2025 ist der Bebauungsplan rechtskräftig, Anfang März 2026 hat der Bau begonnen. Aus Geduld ist Bewegung geworden, und diese Bewegung trägt weit.
Auf dem ersten Baufeld entstehen 109 Wohnungen, geförderter Mietwohnungsbau und Mietwohnungen unter einem Quartiersdach. Diese Mischung ist mir wichtig, weil sie ein Quartier atmen lässt. Hier findet die junge Familie ihren Platz und die Nachbarin, die seit Jahrzehnten in Mülheim zu Hause ist. Eine Kita gehört von Anfang an dazu. Wo morgens Kinder hineinlaufen, entsteht mehr als Wohnraum, da entsteht ein Ort, an dem man bleiben möchte.
Auf einem der späteren Baufelder wächst ein Ensemble aus einem Sockelbau und einem daneben aufragenden Turm, rund 65 Meter hoch, mit etwa 20 Geschossen und mehr als 250 Wohnungen. Ein weithin sichtbarer Hochpunkt, an dem man das Quartier schon von Weitem erkennt. Mülheim hat eine reiche industrielle Geschichte, Werften, Mühlen, das Arbeiten am Wasser. An diese Erzählung wollen wir anknüpfen und ihr ein zeitgemäßes Kapitel hinzufügen. Für den Entwurf nehmen wir uns bewusst Zeit und sind mit mehreren Architekturbüros im Gespräch. Wer so weit nach oben baut, schuldet der Stadt einen Entwurf, der auch in zwanzig Jahren noch überzeugt.
In wenigen Jahren wird dieser Ort ein anderer sein, wärmer und lebendiger, ganz bei sich. Leben auf den Wegen, Bäume, die langsam Schatten werfen, am Abend Licht in den Fenstern und der Blick über den Rhein, der ganz selbstverständlich zum Alltag gehört. Der Mülheimer Süden hat lange auf seinen Moment gewartet. Jetzt ist er da.
Wir bauen das Lindgens-Areal Baufeld für Baufeld, mit der Sorgfalt, die ein Ort am Wasser verlangt. Und ich bin froh, dass wir dabei sein dürfen, wenn aus einem Plan ein lebendiges Stück Köln wird.